19.9 Dortmunder Zoo

Am 19.9 hat es mich, mal wieder, in den sehr schönen Dortmunder Zoo verschlagen. Dieser wurde am 24. Mai 1953 eröffnet und ist ständig gewachsen. So zählt er mit seinen 28 Hektar zu den größeren Zoos Deutschlands. Mit seinen ca. 240 verschiedenen Tierarten in ca.1840 Individuen bietet er sehr viele Beobachtungs- und Entdeckungsmöglichkeiten. Mich reizte natürlich der große Katzenbestand, der mit Amurleoparden, Nebelpardern, Karpaten-Luchsen, Jaguarundis, Oncilla, Margays, Servalen, Amurkatzen, Löwen, Sumatra-, wie Malaiischen Tigern und Jaguaren seinesgleichen sucht.

Zoologische „Leckerbissen“ in Form von Schleichkatzen sind die Japanischen Larvenroller (europaweit einzigartig) und die selten gezeigten Binturongs.

Schön finde ich, dass es ein klassischer Zoo ist, der seine Aufgabe als Arche Noah der Neuzeit auch wahr nimmt. Unter anderem als Mitglied im VDZ und Bestandteil der Welt-Zoo-Naturschutzstrategie, tritt er aktiv für Ziele, wie “Haltung und Zucht seltener Tierarten”, “Schaffung eines naturkundlichen und artenschützenden Bewusstseins in der Bevölkerung”, “Erholungs- und Bildungsangebot für Besucher”, und “Auswilderungsprogramme”, ein. Und viele aktuelle Zuchterfolge und Baumaßnahmen zeigen, dass er seine Ziele sehr erfolgreich verfolgt.

Dieses Mal wurde ich von zwei Bekannten begleitet, die sich sehr gut im Zoo auskannten. So konnte ich sehr viele interessante Details über den Zoo erfahren und einen sehr interessanten Einblick in die Abläufe dort bekommen.

Unser Rundgang führte uns gleich zu Beginn zum Giraffenhaus. Neben den großen Angola-Giraffen (deutschlandweit die einzig Verbliebenen), sind hier unter anderem auch die populären Erdmännchen und die weniger bekannten Fuchsmangusten beheimatet. Diese kleine Mangustenart ist aufgrund ihres rötlichen Fells, äußert fotogen. Die Außenanlage ist so angelegt, das man als Besucher die Tiere auf der ebenen Fläche und dem künstlich angelegten Termitenhügel, sehr gut beobachten kann.

Neugierige Giraffe

Neugierige Giraffe

Nach diesen „Fotomodellen“ konnte ich einem interessierten Giraffenbullen relativ nahe kommen. Auch wenn mir bekannt war, dass die Tiere bis zu 6 Meter groß werden können, war ich von ihrer Erscheinung auf diese kurze Entfernung doch äußerst beeindruckt. Mit welcher Neugier und mit welcher Sanftheit Giraffen auf Einen zukommen können, ist sehr interessant.

Tapir

Tapir

Die Südamerika-Wiese beheimatet unter anderem neben Flachlandtapiren, Capybaras, Pudus und Tschajas, auch einige weibliche Exemplare der Großen Armeisenbären. Der Zoo Dortmund hält als ISB und EEP Koordinator immer um die 10 Tiere. Die Zucht des Großen Armeisenbären in Dortmund gilt nicht von ungefähr als die Erfolgreichste weltweit außerhalb Südamerikas. Bis zu diesem Termin habe ich der Anlage wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen. Dieses Mal konnte ich aber eine sehr informative Unterhaltung mit einer der Pflegerinnen führen und auch einen Ameisenbären ganz aus der Nähe betrachten. Es ist wirklich beeindruckend, wie klein und an die spezielle Nahrung, ihre Anatomie im Kopfbereich angepasst ist. Die Tiere können übrigens bis zu zwei Meter lang werden. Ihre Zunge ist, im Gegensatz z.B. zur menschlichen Zunge, am Brustbein angewachsen und misst im sichtbaren Teil ca. 60 Zentimeter.

Als Nächstes habe ich die neue Nebelparder Anlage aufgesucht. Nicht nur, das sie sehr viel Platz, in Form von „Wegen über dem Boden“ (Baumbewohner) für die Tiere bietet, sondern der Besucher kann die Tiere, für eine rein nachtaktive Tierart, bemerkenswert gut beobachten. So ist der Schlafplatz der Nebelparder durch kleine Fenster so einsehbar, dass sie sich von den Besuchern nicht gestört fühlen. Auch hier konnte ich mich mit einem Pfleger unterhalten. So habe ich erfahren, dass die Anlage als Zuchtanlage konzipiert ist, um auch weitere Nebelparder ggf. sogar ein zweites Zuchtpaar, beherbergen zu können.

Luchs in luftiger Höhe

Luchs in luftiger Höhe

Am Gehege der Karpaten-Luchse konnte ich auch wieder etwas Ungewöhnliches beobachten:
Die Schlucht (das Gehege) mitten im Zoo bietet mit vielen Bäumen den Luchsen eine sehr schöne Waldlandschaft, mit vielen Klettermöglichkeiten. Das die Tiere dieses gerne nutzen war mir bekannt, genauso, dass auch mal eine einfliegende Taube erjagt wird. Aber das ein Luchs weit über 8 Meter hoch in die Baumwipfel klettert, um sich auszuruhen, war mir neu. Ganz ruhig und leicht schläfrig ließ es sich dieses Exemplar im schwankenden Baumwipfel gut gehen. Auf die Entfernung war es zwar schwer, ein gutes Foto zu machen, aber umso erstaunter war ich, dieses Verhalten zu beobachten. Es offenbart, wie viele Möglichkeiten das Gehege den Luchsen lässt, natürliches Verhalten zu zeigen.

Auch das Haus der Breitmaulnashörner habe ich diesmal besucht. Als Abtrennungen kommen Betonpfeiler zum Einsatz. Für den Besucher sind die Tiere so sehr gut zu beobachten. Aber auch für die Pfleger bietet es Vorteile. So können sie an die Tiere im geschützten Kontakt heran treten, da die Pfeiler zwar den Weg für das breite Nashorn versperren, aber einem Menschen schnell eine Rückzugsmöglichkeit bieten. Breitmaulnashörner sind Herdentiere, zumindest gilt dieses für die Weibchen. Der Stall bietet daher die Möglichkeit, dass, obwohl jedes Tier geschützt für sich steht, die Kontaktaufnahme zu der Artgenossin nebenan jederzeit machbar ist.
Weiterhin konnte ich beobachten, wie ein Nashorn die Pflegerin sehr erfolgreich um Brötchen anbettelte. Ebenso konnte man erkennen, dass das Nahornhorn wirklich aus Haaren besteht. Die Tiere „schleifen“ es sich im Gehege an allen möglichen Widerständen zurecht. Deswegen sind, zumindest im Stall, alle eckigen Kanten möglichst abgerundet, damit die Tiere ihre imposanten Hörner nicht zu „Stummeln“ abraspeln.
Eines der Tiere drückte sein Horn leicht seitlich gegen eine Wand, so das es sich ganz leicht auf der Nase bewegte und für mich daher deutlich zu erkennen war, das es nicht mit dem Knochen verbunden ist. Auch zeigte ein Tier eine solche natürliche Abnutzung des Horns, dass an einer Stelle die Haare deutlich hervortraten.

Serval

Serval

Am Abend konnte ich noch eine Fütterung in der ehemaligen Geparden- Anlage beobachten. Diese wird seit einigen Jahren für Servale und Löffelhunde genutzt. Wenige Umbauarbeiten waren nötig, um diese Anlage für die „Nachmieter“ zur idealen „Wohnung“ zu machen.

Die Löffelhunde wurden mit Mehlwürmern (Zophobas) gefüttert. Hier konnte man gut erkennen, wie sie die Larven zuerst mit ihren großen Ohren lokalisierten und dann verspeisten.

Alles in Allem wieder mal ein sehr schöner Ausflug in den Zoo Dortmund. Ich finde es schön, dass dieser als „klassischer Zoo“ seine Aufgaben, u.A. der Arterhaltung ernst nimmt und hier auch viele Erfolge vorweisen kann. Dieses ist sicher zu einem großen Teil der engagierten Arbeit der Tierpfleger und wissenschaftlichen Mitarbeiter geschuldet. Nicht zuletzt die gärtnerische Gestaltung und die Einbettung der Gehege ist sehr gelungen und ergeben ein wirklich schönes Gesamtkonzept. Durch meine Begleitung war es vor allem ein Besuch, der mir ein wirklich umfassenden Einblick in diesen Zoo gegeben hat. Das habe ich sehr genossen – vielen Dank an dieser Stelle!

Sebi

Leave a Reply

*